Die Möglichkeit legal in Deutschland Offroad zu fahren beschränkt sich
meist auf Crossstrecken mit einer Rundenlänge zwischen 1 und 2 km. Dies
ist zwar anfangs ganz nett, entspricht jedoch nicht dem Grundgedanken
des Endurofahrens.
Im nahen Ausland wird es zunehmend schwieriger ein geeignetes Gebiet zu
finden, das einerseits fahrtechnisch interessant ist und andererseits,
wo das Fahren abseits geteerter Straßen noch erlaubt ist. Mit diesem
Hintergrund ist eine Rallyeveranstaltung eine echte Alternative. Aber
welche? Sie sollte günstig sein, die Anreise sollte nicht Tage
kostbarer Zeit verschlingen, der Standort des Fahrerlagers sollte nicht
ständig wechseln und sie sollte für Hobbyfahrer, ohne spezielle
Umbauten an der Maschine, machbar sein. Bei diesen Kriterien wird es
dann schon eng mit der Auswahl an Veranstaltungen.
Fündig wurde ich Ende 2003 in der Zeitschrift "Enduro". Dort war eine
Anzeige für die "Rallye di Croatia" vom TFC85 aus Graz geschaltet. Was
unter der angegebenen Homepage (http://www.tfc85.at)
beschrieben war hörte sich verlockend an. Da aber das Fahren im
Freundeskreis mehr Spaß macht, habe ich die Werbetrommel an den
Clubabenden des MC-Pfungstadt gerührt. Kai, unser
Vorstandsvorsitzender, zeigte starkes Interesse und siehe da schon
waren wir zu zweit.
Die Vorbereitungen der Enduros konnte nun beginnen. Eigentlich
war nicht viel zu tun. Neue Reifen und Kettensatz montiert,
Motorschutz, 18 l Tank, Roadbookhalter und Fahrradtacho befestigt sowie
eine Inspektion durchgeführt das war es.
Am 21.05.2004 (Freitag) war es dann soweit. Um 16:30 Uhr ging
es auf die Autobahn Richtung Süden. Die Motorräder auf dem Hänger und
im CD-Wechsler lief "Autobahn" von Kraftwerk. Im Motel der Raststätte
Irschenberg haben wir übernachtet und uns Gedanken über die
bevorstehende Rallye bei einem Schlummertrunk gemacht.
Am nächsten Morgen (Samstag) führte uns die Strecke weiter
durch Österreich, Slowenien nach Kroatien. Erst als wir die
Küstenstraße erreicht hatten hörte es endlich auf zu Regnen. Die
Temperaturen wurden merklich angenehmer. In den Alpen lag nämlich
Neuschnee auf den Bergen. Jetzt hieß es aber dem Geschlängel der
Küstenstraße zu folgen. Es ist zwar ein wunderschöner Küstenabschnitt
aber die Strecke bis Zadar zieht sich. Als wir endlich in der Nähe von
Biograd waren, zwischenzeitlich war es schon dunkel geworden, mussten
wir feststellen, dass unsere aktuelle Straßenkarte nicht mit der
Realität übereinstimmt. Wir fragten also einen Einheimischen und der
schickte uns in die Richtung aus der wir gekommen waren. Biograd liegt
am Mittelmeer und wir entfernten uns jetzt davon (???). Das passte erst
recht nicht. Also, Kompass ausgepackt, die zu fahrende Richtung
bestimmt, und los ging es. So erreichten wir endlich das Hotel "Adria"
in Biograd. Zwischenzeitlich war es 22:00 Uhr und die meisten
Teilnehmer waren schon angekommen. Bei unserem ersten und zweiten ...
kroatischem Bier beschlossen wir den Abend.
Sonntag 23.05.2004, Prolog
Strahlender Sonnenschein weckte uns am Sonntag (23.05.2004)
Morgen. Nach dem Frühstück haben wir dann die Maschinen vom Hänger
geholt und die Papier- und Technische Abnahme hinter uns gebracht. Das
Roadbook für den abendlichen Prolog und 1. Fahrtag haben wir zusammen
geklebt und die Abzweige mit Textmarker hervorgehoben. Danach war
"Mopedgucken" und "Benzingequatsche" im Park Ferme mit Gleichgesinnten
angesagt. Um 17:30 ging es dann im Konvoi mit 56 Teilnehmern zum
Prolog. Gestartet wurde ab 18:01 Uhr im Minutenabstand auf den ca. 3 km
langen Kurs. Bedingt durch Buschwerk, kurzen Distanzen zwischen den
Wegpunkten, teilweise Handballgroße Steine und der noch ungewohnter
Koordination mit Roadbook, Tripmaster und Spur suchen, hatten wir den
Überblick verloren. Abends wurden die Ergebnisse des Prologs
ausgehängt. Die Zeiten der Teilnehmer schwankten zwischen 5 und 20
Minuten für die Strecke.
Bedingt durch die vorgegebene Durchschnittgeschwindigkeit von
35 km/h errechnen sich Startzeiten von SP1, SP2 und Ankunftszeit in
Abhängigkeit der Startzeit. Kai und ich haben beschlossen gemeinsam die
täglichen ca. 250 km zurück zu legen und die Wertung als Nebensache zu
betrachten.
Montag 24.05.2004, 1. Fahrtag
Nach Aufstehen, Frühstücken und "Freizeitkleidung" anlegen ging es dann
zum Start. Der Langsamste vom Prolog startete um 9:01, der Schnellste
um 9:56. Nachdem Kai von der Startrampe gefahren war wartete er auf
mich und wir begaben uns auf die Strecke. Das Roadbook führte uns zu
90% über geschotterte Wege und zu 10% auf geteerten Straßen. Im
Hinterland von Biograd ist die Landschaft dünn besiedelt und die
Auswirkungen vom Krieg sind noch überall sichtbar. Der Veranstalter
hatte uns im Vorfeld schon abgeraten die Wege zu verlassen, da mit
Blindgänger und Minen zu rechnen ist. Es hinterlässt schon ein mulmiges
Gefühl mit diesem Wissen durch diese schöne Landschaft zu fahren.
Bei einer kurzen Rast meinte Kai zu mir, dass er das Gefühl hätte,
als wäre in seinen Reifen keine Luft mehr. Also prüften wir kurz den
Luftdruck an seiner 250-er 2 Takt KTM und siehe da er hatte keinen
Platten sondern ich. Nun wurde unsere Pause zwangsweise länger als
geplant. Wir hatten zwar alles dabei (Montiereisen, Schlauch,
CO-Patronen, Montierpaste) aber es kostet dennoch Zeit. Die Ursache war
schnell gefunden, es war ein 7 cm langer Nagel. Natürlich kamen wir
dann zur SP1 zu spät und kassierten dafür Strafpunkte. Hier hieß es
dann ca. 10 km nach Roadbook auf Zeit fahren. Danach ging es dann
weiter zur SP2, aber das Navigieren und gleichzeitige Fahren war noch
nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Als wir dann ankamen war der
SP2 nicht mehr besetzt und wir konnten die Navigationsetappe nicht mehr
fahren. Da es zwischenzeitlich schon gegen 18:00 Uhr war und der
Einstieg ins Roadbook nicht eindeutig war, entschlossen wir uns die
restliche Etappe abzubrechen und die Rennleitung per Handy zu
informieren. Nach erreichen einer asphaltierten Straße, bestimmten wir
unseren Standort mit Hilfe von Karte und Kompass und fuhren dann die
restlichen 30 km ins Fahrerlager zurück. Dort wieder angekommen mussten
wir gleich das Roadbook abgeben, erhielten dafür das für den 2. Tag.
Nach der Durchsicht der Enduros war es zwischenzeitlich zu spät für das
Abendessen im Hotel geworden, so konnten wir erst nach dem
obligatorischen Briefing nur noch Flüssignahrung zu uns nehmen während
wir das neue Roadbook zusammen bastelten.
Dienstag 25.05.2004, 2. Fahrtag
Heute standen wieder 2 Sonderprüfungen auf der Tagesordnung.
Diesmal waren sie jedoch alle Vormittags und die Chance dort pünktlich
anzukommen waren gut.
An der ersten kamen wir pünktlich zum Start. Wie gehabt führte die SP
über 14 km nach Roadbook, jedoch verpassten wir gleich nach dem Start
den richtigen Abzweig. Dies merkten wir aber erst nach 2 km, also
umdrehen und zurück. Der Rest lief dann wie geschmiert. Stellenweise
war Highspeed angesagt jedoch gab es viele Spitzkehren, die mit
Vorsicht zu genießen waren denn Auslaufzonen gab es nicht. Entweder
waren es große Steine, die Felswand oder der Abgrund der sich direkt
neben dem Weg befunden hat. Da wir uns auf öffentlichen Wege befanden
mussten wir auch mit plötzlich auftauchenden Hindernissen rechnen. So
kam plötzlich ein Traktor aus einem Seiteweg herausgefahren oder ein
VW-Bus tauchte nach einer Kurve vor uns auf sowie 2 Schafherden die wir
passieren mussten.
Danach folgte wieder eine Verbindungsetappe zur 2-ten SP und siehe da
wir waren wieder pünktlich angekommen.
Diese 2-te SP war dann der Gegensatz zur 1-ten SP. Es war keine
schnelle und flüssige Streckenführung, sondern diesmal ging es bergauf
zum Teil durch Geröll. Die Passhöhe erreichten wir nach ca. 7 km mit
dicken Unterarmen. Von nun an ging es bergab und wir näherten uns dem
Ende von SP2. Der Luftvorrat in meinem Vorderrad näherte sich aber auch
dem Ende. Die letzten 500 m rollte ich nur noch vorsichtig dem Ziel
entgegen. Danach Stand die gleiche Prozedur wie am 1. Tag an, jedoch
war es diesmal kein Nagel sondern ein Stein hatte den Schlauch
zerstört.
Die vom Veranstalter festgelegte Zwangsmittagspause auf einem Berg mit
Kapelle tat richtig gut. Es gab Brote und Erfrischungsgetränke und der
Ausblick von dort oben auf das Meer war wunderbar. Frisch gestärkt ging
es wieder auf Schotterwege ins Hotel zurück, diesmal ohne Zeitvorgabe
der Zielankunft. Der Rest des Tages verlief wie der Vorherige. Roadbook
abgeben, Enduro warten, Essen gehen, nur das Briefing fand nicht statt,
da der Mittwoch ein Ruhetag war.
Mittwoch 26.05.2004, Ruhetag
Wieder wurden wir von den Sonnenstrahlen geweckt. Der heutige
Tag sollte jedoch der Erholung dienen. Wir entschieden uns für eine
Sightseeing Tour in Biograd. Also, ab auf die Enduro und durch die
Ortschaft tuckern, sich den Hafen anschauen um anschließend gemütlich
am Kiesstrand sich einen Kaffee zu gönnen. Wieder zurück im Fahrerlager
angekommen, beobachteten wir das Treiben im Park Ferme. Dort standen
zum Teil nur noch die Skelette von Enduros. Die Motorräder wurden
gewartet, repariert sowie neu besohlt.
Donnerstag 27.05.2004, 3. Fahrtag
Ausgeruht starteten wir zur längsten Etappe der Rallye. Heute waren 280
km nach Roadbook angesagt. Die Navigation in SP1 erwies sich als
problematisch. Zum Teil fuhren die Teilnehmer kreuz und quer. Viele
wussten nicht mehr wo sie sich im Roadbook befanden. Uns erging es
genauso. Wir folgten einem Fahrer, der anscheinend den Überblick noch
nicht ganz verloren hatte und siehe da wir kamen ans Ziel von SP1. Die
Verbindungsetappe gestaltete sich wie an den vorherigen Tagen.
Schotter, Schotter, Schotter, auch mal etwas Asphalt und eine
wunderbare Landschaft.
Die SP2 wurde, obwohl wir pünktlich dort waren, mit einer
Verzögerung von 42 Minuten gestartet. Auf der anschließenden Fahrt
zurück ins Hotel, mussten wir wie üblich einen Zwischenstop einfügen.
3. Fahrtag, 3. Plattfuß. Diesmal wieder ein Nagel im Hinterradreifen
(The same procedure as every day). Anscheinend ist in meiner Felge ein
großer Magnet eingebaut der alle Nägel anzieht, so dass für Kai kein
Nagel mehr übrig blieb.
Was war aber an SP2 geschehen? Warum die Verzögerung von 42 Minuten?
Bedingt durch mehrere Stürze und Unfälle waren alle Helfer sowie
der Rettungssanitäter vom Veranstalter im Einsatz. Der Untergrund
forderte seinen Tribut. Am letzten Montag gab es einen Sturz der einen
Trümmerbruch zur Folge hatte. Am Dienstag waren es schon zwei Verletzte
und am heutigen Tag sollten es vier werden. Die besorgten Gesichter der
Helfer verhießen nichts Gutes. Diesmal hatte es einen Holländer böse
erwischt. Beckenbruch sowie Verdacht auf innere Verletzungen lautete
die Diagnose im Krankenhaus. Dies führte dazu, dass er nach Aufenthalt
in der Intensivstation nach Holland ausgeflogen werden musste. Laut
Veranstalter gab es in den Jahren zuvor weitaus weniger Verletzungen.
Obwohl beim abendlichen Briefing immer darauf hingewiesen wurde, dass
wir uns auf öffentlichen Wegen befinden und mit Verkehr zu rechnen ist,
wurde Stellenweise sehr schnell gefahren. Bei diesem Untergrund folgt
aus einem harmlosen Ausrutscher schnell ein Knochenbruch oder
schlimmeres.
Freitag 28.05.2004, 4. Fahrtag
Wie üblich starteten wir bei strahlendem Sonnenschein von der
Startrampe. Folgten der Wegbeschreibung im Roadbook, fuhren die SP1 und
SP2. Alles verlief reibungslos, bis wir nachmittags einen großen
Hohlraum in der Magengegend verspürten. Da wir bis zu diesem Zeitpunkt
noch keinen Plattfuß hatten, hielten wir an einem Restaurant, setzten
uns auf die Terrasse und bestellten uns was vom Grill. In der
Zwischenzeit beobachteten wir, wie alle nachfolgenden Teilnehmer an uns
vorbei fuhren.
Frisch gestärkt folgten wir dem Rallyetross um nach kurzer Zeit
Herma zu treffen. Sie war eine der beiden Frauen, die an der Rallye
aktiv teilnahm. Die "Lumpensammler" hatten uns bereits schon überholt
und wir befanden uns auf einem anspruchsvollen Abschnitt (SP2 vom
Dienstag). Da es für Herma die erste Rallye in ihrem Leben war und mit
dem Streckenabschnitt zu kämpfen hatte, blieben wir zusammen. Sie
kämpfte wacker und schaffte diesen Abschnitt. Als wir dann gemeinsam
eine asphaltierte Straße erreicht hatten trennten sich unsere Wege.
Herma fuhr sinnvoller weise direkt zurück nach Biograd, wir folgten
weiter dem Roadbook.
Am Hotel wieder angekommen hatten wir es geschafft. Insgesamt sind wir
in 4 Tagen knapp über 1.000 km gefahren davon 90% abseits asphaltierter
Straßen. Bis auf insgesamt 3 Platten, hatten wir keine Defekte an den
Maschinen und bei größtenteils vorsichtiger Fahrweise auch keinen
Sturz.
Die abendliche Siegerehrung ergab für uns den 22 Platz von 41 in
der Einzylinderwertung. Ein Ergebnis mit dem wir zufrieden waren.
Nach der ausgiebigen Abschlussfeier am Vorabend war das
Frühstück mit viel Kaffee ganz wichtig und es zog sich in die Länge.
Aber es half nichts, wir mussten leider wieder zurück. Zurück in ein
Land, in dem das eigentliche Offroad fahren selten legal und fast nur
auf Crossstrecken möglich ist. Jetzt heißt es warten. Warten auf die
nächste Möglichkeit wieder an einer so gut organisierten Veranstaltung
teilzunehmen, die 2005 wieder stattfinden soll.
Veranstalter: Tourenfahrerclub in Gratz
Homepage:http://www.tfc85.at Typ: lizenzfreie Roadbook Veranstaltung für Hobbyfahrer
Austragungsort: Biograd n. M. in Kroatien (ca. 30 km südlich von Zadar)
Streckenlänge: ca. 1.000 km davon 90% Offroad
Streckencharakter: Schotterwege die auch mit großen Reiseenduros befahrbar sind
Kosten: 490,- € Startgebühr bei frühzeitiger Anmeldung incl. Unterkunft und Verpflegung (Hotel "Adria")
wieder dabei? Geschrieben von Gast am 2005-01-16 16:06:16Hallo ihr lieben, leider gibt es ja noch keine Sterterliste der Croatia 2005. Hoffe ihr seid wieder dabei? danke für die Erwähnung im Bericht. Rotwerd na dann bis zur Croatia und zum nächsten Schlammloch bis bald herma meldet euch doch mal mehl:
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