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Rallye di Croatia 2004 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Georg Bachmann   
Saturday, 17. July 2004
Die Möglichkeit legal in Deutschland Offroad zu fahren beschränkt sich meist auf Crossstrecken mit einer Rundenlänge zwischen 1 und 2 km. Dies ist zwar anfangs ganz nett, entspricht jedoch nicht dem Grundgedanken des Endurofahrens. Im nahen Ausland wird es zunehmend schwieriger ein geeignetes Gebiet zu finden, das einerseits fahrtechnisch interessant ist und andererseits, wo das Fahren abseits geteerter Straßen noch erlaubt ist. Mit diesem Hintergrund ist eine Rallyeveranstaltung eine echte Alternative. Aber welche? Sie sollte günstig sein, die Anreise sollte nicht Tage kostbarer Zeit verschlingen, der Standort des Fahrerlagers sollte nicht ständig wechseln und sie sollte für Hobbyfahrer, ohne spezielle Umbauten an der Maschine, machbar sein. Bei diesen Kriterien wird es dann schon eng mit der Auswahl an Veranstaltungen. Fündig wurde ich Ende 2003 in der Zeitschrift "Enduro". Dort war eine Anzeige für die "Rallye di Croatia" vom TFC85 aus Graz geschaltet. Was unter der angegebenen Homepage (http://www.tfc85.at) beschrieben war hörte sich verlockend an. Da aber das Fahren im Freundeskreis mehr Spaß macht, habe ich die Werbetrommel an den Clubabenden des MC-Pfungstadt gerührt. Kai, unser Vorstandsvorsitzender, zeigte starkes Interesse und siehe da schon waren wir zu zweit.

Die Vorbereitungen der Enduros konnte nun beginnen. Eigentlich war nicht viel zu tun. Neue Reifen und Kettensatz montiert, Motorschutz, 18 l Tank, Roadbookhalter und Fahrradtacho befestigt sowie eine Inspektion durchgeführt das war es.

Am 21.05.2004 (Freitag) war es dann soweit. Um 16:30 Uhr ging es auf die Autobahn Richtung Süden. Die Motorräder auf dem Hänger und im CD-Wechsler lief "Autobahn" von Kraftwerk. Im Motel der Raststätte Irschenberg haben wir übernachtet und uns Gedanken über die bevorstehende Rallye bei einem Schlummertrunk gemacht.

Am nächsten Morgen (Samstag) führte uns die Strecke weiter durch Österreich, Slowenien nach Kroatien. Erst als wir die Küstenstraße erreicht hatten hörte es endlich auf zu Regnen. Die Temperaturen wurden merklich angenehmer. In den Alpen lag nämlich Neuschnee auf den Bergen. Jetzt hieß es aber dem Geschlängel der Küstenstraße zu folgen. Es ist zwar ein wunderschöner Küstenabschnitt aber die Strecke bis Zadar zieht sich. Als wir endlich in der Nähe von Biograd waren, zwischenzeitlich war es schon dunkel geworden, mussten wir feststellen, dass unsere aktuelle Straßenkarte nicht mit der Realität übereinstimmt. Wir fragten also einen Einheimischen und der schickte uns in die Richtung aus der wir gekommen waren. Biograd liegt am Mittelmeer und wir entfernten uns jetzt davon (???). Das passte erst recht nicht. Also, Kompass ausgepackt, die zu fahrende Richtung bestimmt, und los ging es. So erreichten wir endlich das Hotel "Adria" in Biograd. Zwischenzeitlich war es 22:00 Uhr und die meisten Teilnehmer waren schon angekommen. Bei unserem ersten und zweiten ... kroatischem Bier beschlossen wir den Abend.

Sonntag 23.05.2004, Prolog

Strahlender Sonnenschein weckte uns am Sonntag (23.05.2004) Morgen. Nach dem Frühstück haben wir dann die Maschinen vom Hänger geholt und die Papier- und Technische Abnahme hinter uns gebracht. Das Roadbook für den abendlichen Prolog und 1. Fahrtag haben wir zusammen geklebt und die Abzweige mit Textmarker hervorgehoben. Danach war "Mopedgucken" und "Benzingequatsche" im Park Ferme mit Gleichgesinnten angesagt. Um 17:30 ging es dann im Konvoi mit 56 Teilnehmern zum Prolog. Gestartet wurde ab 18:01 Uhr im Minutenabstand auf den ca. 3 km langen Kurs. Bedingt durch Buschwerk, kurzen Distanzen zwischen den Wegpunkten, teilweise Handballgroße Steine und der noch ungewohnter Koordination mit Roadbook, Tripmaster und Spur suchen, hatten wir den Überblick verloren. Abends wurden die Ergebnisse des Prologs ausgehängt. Die Zeiten der Teilnehmer schwankten zwischen 5 und 20 Minuten für die Strecke.

Bedingt durch die vorgegebene Durchschnittgeschwindigkeit von 35 km/h errechnen sich Startzeiten von SP1, SP2 und Ankunftszeit in Abhängigkeit der Startzeit. Kai und ich haben beschlossen gemeinsam die täglichen ca. 250 km zurück zu legen und die Wertung als Nebensache zu betrachten.

Montag 24.05.2004, 1. Fahrtag

Nach Aufstehen, Frühstücken und "Freizeitkleidung" anlegen ging es dann zum Start. Der Langsamste vom Prolog startete um 9:01, der Schnellste um 9:56. Nachdem Kai von der Startrampe gefahren war wartete er auf mich und wir begaben uns auf die Strecke. Das Roadbook führte uns zu 90% über geschotterte Wege und zu 10% auf geteerten Straßen. Im Hinterland von Biograd ist die Landschaft dünn besiedelt und die Auswirkungen vom Krieg sind noch überall sichtbar. Der Veranstalter hatte uns im Vorfeld schon abgeraten die Wege zu verlassen, da mit Blindgänger und Minen zu rechnen ist. Es hinterlässt schon ein mulmiges Gefühl mit diesem Wissen durch diese schöne Landschaft zu fahren.
Bei einer kurzen Rast meinte Kai zu mir, dass er das Gefühl hätte, als wäre in seinen Reifen keine Luft mehr. Also prüften wir kurz den Luftdruck an seiner 250-er 2 Takt KTM und siehe da er hatte keinen Platten sondern ich. Nun wurde unsere Pause zwangsweise länger als geplant. Wir hatten zwar alles dabei (Montiereisen, Schlauch, CO-Patronen, Montierpaste) aber es kostet dennoch Zeit. Die Ursache war schnell gefunden, es war ein 7 cm langer Nagel. Natürlich kamen wir dann zur SP1 zu spät und kassierten dafür Strafpunkte. Hier hieß es dann ca. 10 km nach Roadbook auf Zeit fahren. Danach ging es dann weiter zur SP2, aber das Navigieren und gleichzeitige Fahren war noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Als wir dann ankamen war der SP2 nicht mehr besetzt und wir konnten die Navigationsetappe nicht mehr fahren. Da es zwischenzeitlich schon gegen 18:00 Uhr war und der Einstieg ins Roadbook nicht eindeutig war, entschlossen wir uns die restliche Etappe abzubrechen und die Rennleitung per Handy zu informieren. Nach erreichen einer asphaltierten Straße, bestimmten wir unseren Standort mit Hilfe von Karte und Kompass und fuhren dann die restlichen 30 km ins Fahrerlager zurück. Dort wieder angekommen mussten wir gleich das Roadbook abgeben, erhielten dafür das für den 2. Tag. Nach der Durchsicht der Enduros war es zwischenzeitlich zu spät für das Abendessen im Hotel geworden, so konnten wir erst nach dem obligatorischen Briefing nur noch Flüssignahrung zu uns nehmen während wir das neue Roadbook zusammen bastelten.

Dienstag 25.05.2004, 2. Fahrtag

Heute standen wieder 2 Sonderprüfungen auf der Tagesordnung. Diesmal waren sie jedoch alle Vormittags und die Chance dort pünktlich anzukommen waren gut. An der ersten kamen wir pünktlich zum Start. Wie gehabt führte die SP über 14 km nach Roadbook, jedoch verpassten wir gleich nach dem Start den richtigen Abzweig. Dies merkten wir aber erst nach 2 km, also umdrehen und zurück. Der Rest lief dann wie geschmiert. Stellenweise war Highspeed angesagt jedoch gab es viele Spitzkehren, die mit Vorsicht zu genießen waren denn Auslaufzonen gab es nicht. Entweder waren es große Steine, die Felswand oder der Abgrund der sich direkt neben dem Weg befunden hat. Da wir uns auf öffentlichen Wege befanden mussten wir auch mit plötzlich auftauchenden Hindernissen rechnen. So kam plötzlich ein Traktor aus einem Seiteweg herausgefahren oder ein VW-Bus tauchte nach einer Kurve vor uns auf sowie 2 Schafherden die wir passieren mussten. Danach folgte wieder eine Verbindungsetappe zur 2-ten SP und siehe da wir waren wieder pünktlich angekommen.
Diese 2-te SP war dann der Gegensatz zur 1-ten SP. Es war keine schnelle und flüssige Streckenführung, sondern diesmal ging es bergauf zum Teil durch Geröll. Die Passhöhe erreichten wir nach ca. 7 km mit dicken Unterarmen. Von nun an ging es bergab und wir näherten uns dem Ende von SP2. Der Luftvorrat in meinem Vorderrad näherte sich aber auch dem Ende. Die letzten 500 m rollte ich nur noch vorsichtig dem Ziel entgegen. Danach Stand die gleiche Prozedur wie am 1. Tag an, jedoch war es diesmal kein Nagel sondern ein Stein hatte den Schlauch zerstört. Die vom Veranstalter festgelegte Zwangsmittagspause auf einem Berg mit Kapelle tat richtig gut. Es gab Brote und Erfrischungsgetränke und der Ausblick von dort oben auf das Meer war wunderbar. Frisch gestärkt ging es wieder auf Schotterwege ins Hotel zurück, diesmal ohne Zeitvorgabe der Zielankunft. Der Rest des Tages verlief wie der Vorherige. Roadbook abgeben, Enduro warten, Essen gehen, nur das Briefing fand nicht statt, da der Mittwoch ein Ruhetag war.

Mittwoch 26.05.2004, Ruhetag

Wieder wurden wir von den Sonnenstrahlen geweckt. Der heutige Tag sollte jedoch der Erholung dienen. Wir entschieden uns für eine Sightseeing Tour in Biograd. Also, ab auf die Enduro und durch die Ortschaft tuckern, sich den Hafen anschauen um anschließend gemütlich am Kiesstrand sich einen Kaffee zu gönnen. Wieder zurück im Fahrerlager angekommen, beobachteten wir das Treiben im Park Ferme. Dort standen zum Teil nur noch die Skelette von Enduros. Die Motorräder wurden gewartet, repariert sowie neu besohlt.

Donnerstag 27.05.2004, 3. Fahrtag

Ausgeruht starteten wir zur längsten Etappe der Rallye. Heute waren 280 km nach Roadbook angesagt. Die Navigation in SP1 erwies sich als problematisch. Zum Teil fuhren die Teilnehmer kreuz und quer. Viele wussten nicht mehr wo sie sich im Roadbook befanden. Uns erging es genauso. Wir folgten einem Fahrer, der anscheinend den Überblick noch nicht ganz verloren hatte und siehe da wir kamen ans Ziel von SP1. Die Verbindungsetappe gestaltete sich wie an den vorherigen Tagen. Schotter, Schotter, Schotter, auch mal etwas Asphalt und eine wunderbare Landschaft.
Die SP2 wurde, obwohl wir pünktlich dort waren, mit einer Verzögerung von 42 Minuten gestartet. Auf der anschließenden Fahrt zurück ins Hotel, mussten wir wie üblich einen Zwischenstop einfügen. 3. Fahrtag, 3. Plattfuß. Diesmal wieder ein Nagel im Hinterradreifen (The same procedure as every day). Anscheinend ist in meiner Felge ein großer Magnet eingebaut der alle Nägel anzieht, so dass für Kai kein Nagel mehr übrig blieb.
Was war aber an SP2 geschehen? Warum die Verzögerung von 42 Minuten?
Bedingt durch mehrere Stürze und Unfälle waren alle Helfer sowie der Rettungssanitäter vom Veranstalter im Einsatz. Der Untergrund forderte seinen Tribut. Am letzten Montag gab es einen Sturz der einen Trümmerbruch zur Folge hatte. Am Dienstag waren es schon zwei Verletzte und am heutigen Tag sollten es vier werden. Die besorgten Gesichter der Helfer verhießen nichts Gutes. Diesmal hatte es einen Holländer böse erwischt. Beckenbruch sowie Verdacht auf innere Verletzungen lautete die Diagnose im Krankenhaus. Dies führte dazu, dass er nach Aufenthalt in der Intensivstation nach Holland ausgeflogen werden musste. Laut Veranstalter gab es in den Jahren zuvor weitaus weniger Verletzungen. Obwohl beim abendlichen Briefing immer darauf hingewiesen wurde, dass wir uns auf öffentlichen Wegen befinden und mit Verkehr zu rechnen ist, wurde Stellenweise sehr schnell gefahren. Bei diesem Untergrund folgt aus einem harmlosen Ausrutscher schnell ein Knochenbruch oder schlimmeres.

Freitag 28.05.2004, 4. Fahrtag

Wie üblich starteten wir bei strahlendem Sonnenschein von der Startrampe. Folgten der Wegbeschreibung im Roadbook, fuhren die SP1 und SP2. Alles verlief reibungslos, bis wir nachmittags einen großen Hohlraum in der Magengegend verspürten. Da wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Plattfuß hatten, hielten wir an einem Restaurant, setzten uns auf die Terrasse und bestellten uns was vom Grill. In der Zwischenzeit beobachteten wir, wie alle nachfolgenden Teilnehmer an uns vorbei fuhren.
Frisch gestärkt folgten wir dem Rallyetross um nach kurzer Zeit Herma zu treffen. Sie war eine der beiden Frauen, die an der Rallye aktiv teilnahm. Die "Lumpensammler" hatten uns bereits schon überholt und wir befanden uns auf einem anspruchsvollen Abschnitt (SP2 vom Dienstag). Da es für Herma die erste Rallye in ihrem Leben war und mit dem Streckenabschnitt zu kämpfen hatte, blieben wir zusammen. Sie kämpfte wacker und schaffte diesen Abschnitt. Als wir dann gemeinsam eine asphaltierte Straße erreicht hatten trennten sich unsere Wege. Herma fuhr sinnvoller weise direkt zurück nach Biograd, wir folgten weiter dem Roadbook. Am Hotel wieder angekommen hatten wir es geschafft. Insgesamt sind wir in 4 Tagen knapp über 1.000 km gefahren davon 90% abseits asphaltierter Straßen. Bis auf insgesamt 3 Platten, hatten wir keine Defekte an den Maschinen und bei größtenteils vorsichtiger Fahrweise auch keinen Sturz.
Die abendliche Siegerehrung ergab für uns den 22 Platz von 41 in der Einzylinderwertung. Ein Ergebnis mit dem wir zufrieden waren.

Nach der ausgiebigen Abschlussfeier am Vorabend war das Frühstück mit viel Kaffee ganz wichtig und es zog sich in die Länge. Aber es half nichts, wir mussten leider wieder zurück. Zurück in ein Land, in dem das eigentliche Offroad fahren selten legal und fast nur auf Crossstrecken möglich ist. Jetzt heißt es warten. Warten auf die nächste Möglichkeit wieder an einer so gut organisierten Veranstaltung teilzunehmen, die 2005 wieder stattfinden soll.

Veranstalter: Tourenfahrerclub in Gratz
Homepage: http://www.tfc85.at
Typ: lizenzfreie Roadbook Veranstaltung für Hobbyfahrer
Austragungsort: Biograd n. M. in Kroatien (ca. 30 km südlich von Zadar)
Streckenlänge: ca. 1.000 km davon 90% Offroad
Streckencharakter: Schotterwege die auch mit großen Reiseenduros befahrbar sind
Kosten: 490,- € Startgebühr bei frühzeitiger Anmeldung incl. Unterkunft und Verpflegung (Hotel "Adria")

P.S.: Bilder gibts in unserer Galerie.

Kommentar(e)
wieder dabei?
Geschrieben von Gast am 2005-01-16 16:06:16
Hallo ihr lieben, leider gibt es ja noch keine Sterterliste der Croatia 2005. Hoffe ihr seid wieder dabei?  
danke für die Erwähnung im Bericht. Rotwerd 
na dann bis zur Croatia und zum nächsten Schlammloch 
bis bald herma 
meldet euch doch mal  
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